
Gera, die drittgrößte Stadt Thüringens, liegt im fruchtbaren Elstertal und verbindet die deftigen Traditionen Ostthüringens mit dem Einfluss der nahen Vogtländer Küche. Zwischen den prächtigen Jugendstil-Villen und dem legendären Höhlerfest hat sich eine bodenständige Genusskultur erhalten. Entdecken Sie bei einem Kochkurs in Gera die Aromen Ostthüringens.
Ostthüringer Bratwurstgehäck mit Senfei
In Gera und dem Elstertal hat die Thüringer Bratwurst eine besondere Spielart: Das Bratwurstgehäck wird aus dem Darm gelöst, krümelig angebraten und mit Senfeiern serviert – ein typisches Abendessen in den Geraer Gasthäusern, das Tradition und Einfachheit vereint.
Zutaten (für 4 Personen)
- 500 g Thüringer Rostbratwurst (4 Stück)
- 1 Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 EL Butterschmalz
- Senfeier:
- 8 Eier
- 40 g Butter
- 2 EL Mehl
- 400 ml Milch
- 3 EL mittelscharfer Senf
- 1 EL Essig
- 1 TL Zucker
- Salz, weißer Pfeffer
- Schnittlauch zum Garnieren
Zubereitung
- Eier in kochendem Wasser 8 Minuten kochen (wachsweich). Abschrecken, pellen und warmhalten.
- Bratwurstmasse aus den Därmen drücken. Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen. Zwiebelwürfel glasig dünsten, dann die Bratwurstmasse zugeben und krümelig anbraten, bis sie goldbraun und knusprig ist (ca. 10 Minuten).
- Für die Senfsoße: Butter in einem Topf schmelzen, Mehl einrühren und 2 Minuten anschwitzen. Milch nach und nach unter Rühren angießen. 5 Minuten köcheln lassen.
- Senf, Essig und Zucker einrühren. Mit Salz und weißem Pfeffer abschmecken. Die Soße soll leicht säuerlich und senfig sein.
- Die Eier halbieren und auf Tellern anrichten. Die Senfsoße darüber gießen und das knusprige Bratwurstgehäck daneben anrichten.
- Mit Schnittlauch garnieren. Dazu Salzkartoffeln oder frisches Bauernbrot servieren.
Tipp: Das Bratwurstgehäck muss wirklich knusprig gebraten werden – die Textur ist das Beste an diesem Gericht. In Gera wird dieses Essen oft am Freitagabend zubereitet, wenn es schnell und deftig sein soll.
Elstertal-Forelle in Bierbutter
Die Weiße Elster und ihre Nebengewässer rund um Gera sind bekannt für frische Forellen. Diese regionale Variante gart die Forelle in einer würzigen Bierbutter mit Thüringer Kräutern – ein Fischgericht, das die Verbindung von Braukultur und Angeltradition feiert.
Zutaten (für 4 Personen)
- 4 Forellen, küchenfertig (je 250–300 g)
- 100 g Butter
- 150 ml Thüringer Helles Bier
- 1 Bund Petersilie, gehackt
- 2 EL Schnittlauch, in Röllchen
- 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
- Saft einer Zitrone
- Salz, Pfeffer
- Mehl zum Wenden
- 2 EL Rapsöl
Zubereitung
- Forellen innen und außen mit Salz, Pfeffer und der Hälfte des Zitronensafts einreiben. 15 Minuten ziehen lassen.
- Die Forellen leicht in Mehl wenden und überschüssiges Mehl abklopfen.
- Rapsöl in einer großen Pfanne erhitzen. Die Forellen bei mittlerer Hitze von jeder Seite 5 Minuten braten, bis die Haut knusprig und goldbraun ist. Herausnehmen und warmhalten.
- In der gleichen Pfanne die Butter zerlassen und bei mittlerer Hitze schäumen lassen, bis sie nussbraun duftet. Knoblauch kurz mitanschwitzen.
- Mit Bier ablöschen (Vorsicht, es schäumt!). Petersilie, Schnittlauch und restlichen Zitronensaft einrühren. 2 Minuten einkochen lassen.
- Die Forellen auf Tellern anrichten und die Bierbutter darüber gießen. Dazu Petersilienkartoffeln servieren.
Tipp: In Ostthüringen gibt es zahlreiche Forellenzuchtbetriebe, die auch Direktverkauf anbieten. Die frischeste Forelle ergibt das beste Gericht. Die nussbraune Butter ist der Schlüssel – sie darf nicht anbrennen, aber muss über hellbraun hinausgehen.
Geraer Quarkkeulchen
Quarkkeulchen sind ein sächsisch-thüringisches Grenzgericht, das in Gera besonders beliebt ist. Diese fluffigen Kartoffel-Quark-Pfännchen werden goldbraun ausgebacken und mit Zimt, Zucker und Apfelmus serviert – ein Seelenschmeichler, der Kindheitserinnerungen weckt.
Zutaten (für 4 Personen / ca. 12 Stück)
- 500 g mehligkochende Kartoffeln, am Vortag gekocht und geschält
- 250 g Magerquark, gut abgetropft
- 1 Ei
- 100 g Mehl
- 50 g Zucker
- 50 g Rosinen
- Abrieb einer halben Zitrone
- 1 Prise Salz
- Butterschmalz zum Braten
- Zimt-Zucker und Apfelmus zum Servieren
Zubereitung
- Die am Vortag gekochten, kalten Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse drücken oder fein reiben.
- Kartoffelmasse mit Quark, Ei, Mehl, Zucker, Rosinen, Zitronenabrieb und Salz zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten. 15 Minuten ruhen lassen.
- Aus dem Teig mit bemehlten Händen flache, ovale Keulchen formen (ca. 2 cm dick).
- Butterschmalz in einer großen Pfanne erhitzen. Die Keulchen bei mittlerer Hitze von jeder Seite 4–5 Minuten goldbraun braten.
- Auf Küchenpapier kurz abtropfen lassen.
- Noch warm mit Zimt-Zucker bestreuen und mit Apfelmus servieren.
Tipp: Der Trick für fluffige Quarkkeulchen: Die Kartoffeln müssen am Vortag gekocht werden – frisch gekochte Kartoffeln enthalten zu viel Feuchtigkeit und machen den Teig matschig. In Gera werden Quarkkeulchen auch gerne zum Nachmittagskaffee gereicht.