
Cottbus, die Hauptstadt der Niederlausitz, ist das kulturelle Zentrum der Sorben – einer slawischen Minderheit, die seit über tausend Jahren in der Lausitz lebt und ihre kulinarischen Traditionen bewahrt hat. Zwischen dem Spreewald und den Brandenburger Kiefernwäldern verbindet ein Kochkurs in Cottbus sorbische Festtagsküche mit Spreewälder Spezialitäten.
Spreewälder Gurkensuppe
Die Spreewälder Gurke ist weit über Brandenburg hinaus berühmt. In dieser cremigen Gurkensuppe, die in den Gasthöfen rund um Cottbus seit Generationen serviert wird, zeigt sich die Gurke von ihrer wärmenden Seite – ein überraschendes und köstliches Gericht.
Zutaten (für 4 Personen)
- 500 g Spreewälder Salzgurken
- 200 ml Gurkenlake
- 500 ml Gemüsebrühe
- 1 große Kartoffel, gewürfelt
- 1 Zwiebel, fein gewürfelt
- 150 g durchwachsener Speck, gewürfelt
- 150 ml saure Sahne
- 2 EL Dill, frisch gehackt
- 1 EL Butter
- Salz, Pfeffer
Zubereitung
- Die Hälfte der Gurken grob raspeln, die andere Hälfte in kleine Würfel schneiden.
- Speck in einem Topf knusprig ausbraten. Zwiebel zugeben und glasig dünsten. Kartoffelwürfel zugeben und 2 Minuten mitrösten.
- Gemüsebrühe und Gurkenlake angießen. Die geraspelten Gurken zugeben. 15 Minuten kochen, bis die Kartoffeln weich sind.
- Die Suppe teilweise pürieren (die Hälfte für Cremigkeit, die andere Hälfte bleibt stückig). Die Gurkenwürfel und Butter einrühren.
- Saure Sahne einrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Nicht mehr aufkochen lassen.
- In Schälchen füllen und großzügig mit frischem Dill bestreuen. Dazu dunkles Bauernbrot reichen.
Tipp: Verwenden Sie unbedingt echte Spreewälder Salzgurken – die milchsäurevergoren eingelegten Gurken haben ein deutlich komplexeres Aroma als herkömmliche Essiggurken. Die Gurkenlake ist das Geheimnis dieser Suppe!
Sorbisches Hochzeitsmahl: Rindfleisch mit Meerrettichsoße
Das sorbische Hochzeitsmahl ist eine jahrhundertealte Tradition: Gekochtes Rindfleisch in einer scharfen Meerrettichsoße, serviert mit Semmelknödeln. Bei sorbischen Festen in der Niederlausitz wird dieses Gericht noch heute für Hunderte von Gästen zubereitet – es ist das festlichste Essen der Region.
Zutaten (für 4 Personen)
- 800 g Rinderbrust
- 1 Bund Suppengemgüse (Karotte, Sellerie, Lauch, Petersilienwurzel)
- 2 Lorbeerblätter, 5 Pfefferkörner
- Meerrettichsoße:
- 40 g Butter
- 2 EL Mehl
- 400 ml Rinderbrühe (vom Kochen)
- 100 ml Sahne
- 80 g frischer Meerrettich, fein gerieben
- 1 EL Weißweinessig
- 1 TL Zucker
- Salz
Zubereitung
- Rinderbrust mit Suppengemüse, Lorbeer und Pfeffer in einen großen Topf geben. Mit kaltem Wasser bedecken. Langsam zum Kochen bringen, Schaum abschöpfen und bei schwacher Hitze 2–2,5 Stunden sanft sieden lassen.
- Fleisch herausnehmen und in Alufolie warmhalten. 400 ml Brühe auffangen.
- Für die Soße Butter schmelzen, Mehl einrühren und 2 Minuten hell anschwitzen. Die warme Rinderbrühe nach und nach einrühren, bis eine seidig-glatte Soße entsteht.
- Sahne einrühren und 5 Minuten köcheln. Vom Herd nehmen.
- Frisch geriebenen Meerrettich, Essig und Zucker einrühren. Mit Salz abschmecken. Die Soße sollte angenehm scharf sein – der Meerrettich darf nicht mitgekocht werden, sonst verliert er seine Schärfe.
- Rindfleisch in dicke Scheiben schneiden und mit der Meerrettichsoße übergießen. Dazu Semmelknödel und das gekochte Suppengemüse servieren.
Tipp: Bei sorbischen Hochzeiten wird die Meerrettichsoße absichtlich sehr scharf zubereitet – es heißt, die Tränen beim Essen bringen dem Brautpaar Glück. Frischer Meerrettich ist Pflicht; aus dem Glas funktioniert es nicht annähernd so gut.
Lausitzer Plinse
Plinse (vom sorbischen „plinc“) sind hauchdnne Pfannkuchen, die in der Lausitz und rund um Cottbus zum kulinarischen Grundwortschatz gehören. Ob mit Leinöl und Quark, mit Apfelmus oder mit Zimt und Zucker – Plinse sind das Schweizer Taschenmesser der Lausitzer Küche.
Zutaten (für 4 Personen / ca. 12 Plinse)
- 250 g Mehl
- 3 Eier
- 500 ml Buttermilch
- 100 ml Mineralwasser (mit Kohlensäure)
- 1 EL Zucker
- 1 Prise Salz
- Butter zum Ausbacken
- Zum Servieren:
- Spreewälder Leinöl
- Quark
- Frisches Apfelmus
Zubereitung
- Mehl, Eier, Buttermilch, Zucker und Salz zu einem glatten, dünnen Teig verrühren. 20 Minuten quellen lassen.
- Kurz vor dem Backen das Mineralwasser unterrühren – die Kohlensäure macht die Plinse besonders luftig.
- Eine Pfanne bei mittlerer Hitze erhitzen und dünn mit Butter ausstreichen. Eine Kelle Teig hineingeben und durch Schwenken der Pfanne dünn verteilen.
- Von jeder Seite 1–2 Minuten goldbraun backen. Auf einem Teller warm stapeln, jeweils mit etwas Butter bestrichen.
- Wiederholen, bis der Teig aufgebraucht ist.
- Die Plinse mit Quark und einem großzügigen Schuss Spreewälder Leinöl servieren, oder klassisch mit Apfelmus und Zimt-Zucker.
Tipp: Spreewälder Leinöl mit Quark auf Plinsen ist die typischste Lausitzer Kombination – das nussige Öl und der frische Quark ergänzen sich perfekt. Das Leinöl muss frisch sein und kühl gelagert werden; ranziges Leinöl verdirbt alles.