
Die Kieler Küche ist maritim, unkompliziert und voller Meeresaromen. An der Kieler Förde wird seit Jahrhunderten das gegessen, was Ostsee und Hinterland hergeben: Fisch in allen Variationen, deftiges Labskaus und süße Mehlspeisen, die an kalten Tagen von innen wärmen.
Probieren Sie drei maritime Rezepte aus Kiel – oder erleben Sie die Küstenküche bei einem Kochkurs oder Genuss-Event in Kiel.
1. Labskaus – Kieler Art
Labskaus ist das berühmteste Seemannsgericht Norddeutschlands – und in Kiel gehört es zur kulinarischen DNA. Was auf den ersten Blick wenig ansehnlich wirkt, ist geschmacklich ein Fest: zartes Corned Beef mit Kartoffeln, Roter Bete und Rollmops vereinen sich zu einem Gericht, das Generationen von Seeleuten gestärkt hat.
Zutaten (4 Personen)
- 500 g Corned Beef (aus der Dose oder frisch gepokelt)
- 800 g mehligkochende Kartoffeln
- 2 mittelgroße Rote Bete (vorgekocht, vakuumverpackt)
- 2 Zwiebeln, fein gewürfelt
- 4 Gewürzgurken, fein gewürfelt
- 3 EL Schmalz oder Butter
- 4 Spiegeleier
- 4 Rollmöpse
- Salz, Pfeffer, Muskatnuss
- 1 EL Gurkenwasser
Zubereitung
- Kartoffeln: Schälen, in Salzwasser weichkochen, abgießen und grob stampfen (nicht zu fein – es darf Stücke geben).
- Zwiebeln: Im Schmalz glasig dünsten. Das Corned Beef dazugeben und mit einer Gabel zerdrücken. 3–4 Minuten mitbraten.
- Mischen: Die gestampften Kartoffeln und die gewürfelte Rote Bete unterrühren. Die Gewürzgurken und einen Spritzer Gurkenwasser dazugeben. Alles gut vermengen und bei mittlerer Hitze erwärmen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
- Spiegeleier: In einer separaten Pfanne 4 Spiegeleier braten – das Eigelb soll noch flüssig sein.
- Servieren: Das Labskaus auf vorgewärmte Teller geben. Je ein Spiegelei daraufsetzen und einen Rollmops daneben legen.
Tipp: In Kiel wird Labskaus oft mit einem Schuss Worcestershiresoße verfeinert – ein Erbe der britischen Seefahrtstradition.
2. Kieler Sprotten auf Schwarzbrot
Die Kieler Sprotte ist das kulinarische Wahrzeichen der Stadt – ein kleiner, heißgeräucherter Fisch mit goldbronzener Haut und unverwechselbarem Raucharoma. Auf einer Scheibe dunklem Schwarzbrot mit Butter serviert, ist sie der Inbegriff der norddeutschen Brotzeit. Die Tradition des Sprottenräucherns geht in Kiel bis ins 19. Jahrhundert zurück.
Zutaten (4 Personen)
- 12–16 Kieler Sprotten (geräuchert, aus der Packung)
- 4 Scheiben kräftiges Schwarzbrot (Pumpernickel oder Roggenvollkorn)
- Butter (Zimmertemperatur)
- 1 rote Zwiebel, in feine Ringe geschnitten
- 2 EL Kapern
- 1 Zitrone, in Spalten
- Frischer Dill
- Frisch gemahlener Pfeffer
Für den Meerrettich-Schmand:
- 150 g Schmand
- 2 EL frisch geriebener Meerrettich (oder aus dem Glas)
- 1 TL Zitronensaft
- Salz, Pfeffer
Zubereitung
- Meerrettich-Schmand: Schmand, Meerrettich und Zitronensaft verrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Brot vorbereiten: Die Schwarzbrotscheiben großzügig mit Butter bestreichen.
- Belegen: Je 3–4 Sprotten auf jede Brotscheibe legen. Zwiebelringe und Kapern darüber verteilen. Einen Klecks Meerrettich-Schmand daneben setzen.
- Garnieren: Mit frischem Dill bestreuen, mit Pfeffer würzen und eine Zitronenspalte dazulegen.
Tipp: Dazu trinkt man in Kiel traditionell einen klaren Aquavit – oder, wer es alkoholfrei mag, ein Glas kühle Buttermilch.
3. Holsteiner Mehlbüddel – Gedämpfter Pudding
Der Holsteiner Mehlbüddel (auf Hochdeutsch: Mehlbeutel) ist ein gedämpfter Kloß aus Mehl, Eiern und Hefe, der in einem Leinentuch im Wasserdampf gegart wird. In Kiel und ganz Holstein gehört er zur Sonntagsküche – serviert mit geschmolzener Butter, Zucker und einem Kompott aus Kirschen oder Dörrpflaumen. Ein Gericht, das an die Zeit erinnert, als Mehlspeisen den Tisch beherrschten.
Zutaten (4–6 Personen)
- 500 g Mehl
- 1 Würfel frische Hefe (42 g)
- 250 ml lauwarme Milch
- 80 g Zucker
- 80 g weiche Butter
- 3 Eier
- Abrieb einer Zitrone
- 100 g Rosinen
- 1 Prise Salz
- Zum Servieren:
- 100 g Butter, zerlassen
- Zucker und Zimt
- Dörrpflaumenkompott oder Kirschsoße
Zubereitung
- Hefeteig: Die Hefe in der lauwarmen Milch auflösen. Mehl, Zucker, Butter, Eier, Zitronenabrieb und Salz dazugeben und zu einem glatten, weichen Teig verkneten. Die Rosinen unterheben. 45 Minuten gehen lassen.
- Einwickeln: Ein großes Leinentuch (oder Küchentuch) mit Butter einreiben und mit Mehl bestäuben. Den Teig darauf setzen und locker einwickeln – der Teig braucht Platz zum Aufgehen. Oben mit Küchengarn zubinden.
- Dämpfen: Einen großen Topf mit Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Den Mehlbüddel an einem Kochlöffel über den Topf hängen, sodass er im Dampf schwebt (nicht im Wasser!). Deckel auflegen. 1,5 Stunden bei mittlerer Hitze dämpfen.
- Servieren: Den Mehlbüddel aus dem Tuch stürzen. In dicke Scheiben schneiden, mit zerlassener Butter übergießen und mit Zucker und Zimt bestreuen. Das Kompott dazu reichen.
Tipp: Wer keinen Topf groß genug hat, kann den Mehlbüddel auch in einer Puddingform im Wasserbad im Ofen garen (bei 180 °C, ca. 75 Minuten).
Kieler Küche erleben an der Förde
Kiel ist nicht nur die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins, sondern auch ein kulinarisches Tor zur Ostsee. Entdecken Sie bei Miomente Kochkurse und kulinarische Erlebnisse in Kiel und an der Förde. Von Fischküche bis norddeutsche Backkunst – lassen Sie sich inspirieren. Und wenn Sie mehr über Kochkurse erfahren möchten, lesen Sie unseren großen Kochkurs-Guide.