
Die Ruhrgebiet-Küche ist ehrlich, deftig und hat Charakter – genau wie Bochum selbst. In der Stadt, die Herbert Grönemeyer besungen hat, wird bodenständig gekocht: Currywurst mit selbstgemachter Soße, kräftiger Grünkohleintopf und die fast vergessene Stippgrütze – Rezepte, die von Zechen, Kneipen und Arbeiterfamilien erzählen.
Probieren Sie drei echte Pott-Rezepte – oder erleben Sie die Ruhrgebiet-Küche bei einem Kochkurs oder Genuss-Event in Bochum.
1. Currywurst mit Pommes – Pott-Style
Die Currywurst ist das Wahrzeichen der Ruhrgebiet-Küche. An jeder Bude in Bochum hat die Currysoße ein eigenes Geheimrezept. Die Pott-Variante zeichnet sich durch eine fruchtige, leicht scharfe Soße aus, die frisch gekocht wird – niemals aus der Flasche. Dazu gibt es dicke Pommes mit Majo, wie es sich gehört.
Zutaten (4 Personen)
- 8 Bratwurst (grob, ohne Darm oder mit – nach Geschmack)
- 2 EL Öl zum Braten
Für die Currysoße:
- 400 g passierte Tomaten
- 3 EL Tomatenmark
- 1 Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 EL Currypulver (Madras)
- 1 TL geräuchertes Paprikapulver
- 1 TL Cayennepfeffer (nach Schärfevorliebe)
- 3 EL Apfelsaft oder Orangensaft
- 2 EL Essig
- 2 EL Zucker
- 1 TL Worcestershiresoße
- Salz, Pfeffer
Für die Pommes:
- 1 kg festkochende Kartoffeln
- Frittieröl oder Backofen
- Salz
Zubereitung
- Currysoße: Zwiebel in etwas Öl glasig dünsten. Tomatenmark kurz anrösten. Passierte Tomaten, Currypulver, Paprika, Cayennepfeffer, Saft, Essig, Zucker und Worcestershiresoße dazugeben. 15 Minuten bei kleiner Hitze einkochen lassen, bis die Soße sämig ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
- Pommes: Kartoffeln schälen, in dicke Stifte schneiden. In Frittieröl bei 170 °C vorfrittieren (5 Min.), dann bei 190 °C goldbraun ausbacken. Alternativ im Ofen bei 220 °C mit etwas Öl ca. 30 Minuten backen. Salzen.
- Würstchen: Die Bratwurst in Öl rundum knusprig braten. In mundgerechte Stücke schneiden.
- Servieren: Wurststücke auf einen Pappteller (oder ein Schälchen) geben, großzügig mit der heißen Currysoße übergießen und mit extra Currypulver bestreuen. Pommes daneben – fertig ist das Pott-Menü.
Tipp: Im Ruhrgebiet wird die Currywurst oft mit einem Brötchen statt Pommes serviert – das nennt man dann „Curry mit Pott“. Mehr Grilltechniken lernen Sie in unserem Grillkurs-Guide.
2. Bochumer Grünkohleintopf – Der Winterklassiker
Sobald der erste Frost über das Ruhrgebiet zieht, kommt in Bochum der Grünkohleintopf auf den Tisch. Anders als im Norden, wo Grünkohl mit Pinkel gegessen wird, setzt man im Pott auf Mettwurst und Kasseler – und kocht den Kohl lange, bis er seidig weich und aromatisch ist. Ein Gericht, das von innen wärmt.
Zutaten (4–6 Personen)
- 1 kg frischer Grünkohl (oder 800 g TK)
- 300 g Kasseler Rücken
- 4 Mettwurst (grob)
- 200 g durchwachsener Speck
- 2 große Zwiebeln, gewürfelt
- 800 ml Fleischbrühe
- 3 EL Schmalz oder Gansefett
- 3 mittelgroße Kartoffeln, gewürfelt
- 1 EL Senf (mittelscharf)
- Salz, Pfeffer, Muskatnuss
- 1 Prise Zucker
Zubereitung
- Grünkohl vorbereiten: Frischen Grünkohl waschen, die dicken Rippen entfernen und die Blätter grob hacken. In reichlich Salzwasser 5 Minuten blanchieren, abgießen und abtropfen lassen.
- Fleisch anbraten: Speck in Würfel schneiden und im Schmalz in einem großen Topf auslassen. Die Zwiebeln darin glasig dünsten. Kasseler in Stücke schneiden und kurz mitanbraten.
- Schmoren: Den blanchierten Grünkohl und die Kartoffelwürfel dazugeben. Mit Brühe aufgießen. Die Mettwurst obenauf legen. Zugedeckt bei kleiner Hitze 45 Minuten schmoren.
- Abschmecken: Den Senf einrühren. Mit Salz, Pfeffer, Muskat und einer Prise Zucker würzen. Die Kartoffeln sollten teilweise zerfallen sein und den Eintopf satt machen.
- Servieren: Die Mettwurst herausnehmen, in Scheiben schneiden und auf dem Eintopf anrichten.
Dazu passt: Frisches Graubrot mit Butter – und ein kühles Pils aus der Region.
3. Stippgrütze – Das vergessene Pott-Gericht
Die Stippgrütze (auch Panhas oder Knipp genannt) ist ein ur-westfälisches Gericht, das im Ruhrgebiet fast ausgestorben ist – und eine Wiederentdeckung verdient. Aus Buchweizenmehl, Brühe und Wurstresten wurde eine Art herzhafter Pudding gekocht, der dann in Scheiben geschnitten und knusprig gebraten wurde. Arme-Leute-Essen mit großem Geschmack.
Zutaten (4 Personen)
- 300 g Buchweizenmehl (oder Weizenmehl als Alternative)
- 750 ml kräftige Fleischbrühe
- 250 g Leberwurst (fein)
- 250 g Blutwurst (ersatzweise Mettwürstchen)
- 1 große Zwiebel, fein gewürfelt
- 2 Lorbeerblätter
- 4 Pimentkörner
- 1 TL Majoran (getrocknet)
- Salz, Pfeffer
- Schmalz oder Butteröl zum Braten
- Rübenkraut (Zuckerrübensirup) zum Servieren
Zubereitung
- Masse kochen: Die Brühe mit Lorbeer und Piment aufkochen. Die Wurst aus der Pelle drücken und in der Brühe auflösen. Die Zwiebel dazugeben.
- Mehl einrühren: Das Buchweizenmehl unter ständigem Rühren in die heiße Brühe einrieseln lassen. Auf kleiner Flamme 20 Minuten rühren, bis eine dicke, breiartige Masse entsteht. Mit Majoran, Salz und Pfeffer würzen.
- Formen: Die Masse in eine mit Wasser ausgespülte Kastenform füllen und glattstreichen. Im Kühlschrank mindestens 4 Stunden (besser über Nacht) fest werden lassen.
- Braten: Die feste Stippgrütze in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden. In Schmalz von beiden Seiten knusprig braun braten.
- Servieren: Mit einem großzügigen Klecks Rübenkraut und frischem Schwarzbrot servieren.
Tipp: Im Pott isst man Stippgrütze gern mit Bratkartoffeln und Apfelmus – süß und herzhaft in perfekter Balance.
Ruhrgebiet-Küche erleben in Bochum
Bochum ist mehr als Currywurst und Bergbau – die Stadt hat eine lebendige kulinarische Szene, die Tradition mit moderner Kreativität verbindet. Entdecken Sie bei Miomente Kochkurse und kulinarische Erlebnisse in Bochum und Umgebung. Und wenn Sie Lust auf Grillen haben, werfen Sie einen Blick in unseren Grillkurs-Guide.